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Tonsillotomie – Verkleinerung der Mandeln

Die Verkleinerung vergrößerter Mandeln nennt man Tonsillotomie. Dabei bleibt nach der Operation ein Teil des Mandelgewebes erhalten. Die Tonsillotomie erweitert den Rachenraum und hat nur ein geringes Nachblutungsrisiko. 

 

Wann werden gesunde Gaumenmandeln zum Problem?

Große Tonsillen blockieren die Atmung

Gesunde Mandeln (Tonsillen) können bei erhöhter Immunaktivität deutlich an Größe zunehmen. Man bezeichnet eine Vergrößerung der Mandeln als Tonsillenhyperplasie. Bei extrem großen Mandeln spricht man auch von sogenannten „Kissing tonsils“. Die Folge ist eine mechanische Verlegung der oberen Atem- und Speisewege. In vielen Fällen sind gleichzeitig auch die Nasenrachenmandeln (Adenoide) mitbetroffen und behindern die Nasenatmung. Die Patienten leiden nicht oder nur selten an wiederkehrenden Streptokokkeninfektionen (Streptokokkentonsillitis).

Welche Beschwerden treten bei den Betroffenen auf?

Sprechstörungen – Veränderungen des Unterkiefers

Die Betroffenen leiden vor allem unter einer permanenten Mund- und Nasenatmungsbehinderung, wodurch wenig Sauerstoff mit der Atmung aufgenommen wird. Zum Ausgleich erfolgt eine Mundöffnung mit einer Vorverlagerung der Zunge und des Unterkiefers, um mehr Platz im Rachenraum für eine bessere Passage der Atemluft herzustellen. Langfristig kann dies bei Kindern zu Entwicklungsstörungen des Kiefers und Sprechstörungen führen, da sich die Mundboden- und Kiefermuskulatur ungünstig ausbildet und an nötiger Grundspannung verliert.

Nasenatmungsbehinderung

Ferner können Schluck- und Aussprachestörungen auftreten („kloßige“ Aussprache). Sind  auch die Nasenrachenmandeln vergrößert, tritt auch ein sogenanntes „ geschlossenes Näseln“ auf. Das Kind spricht so, als ob es permanent die Nase zuhält.

Atemaussetzer (Schlafapnoe)

Viel gravierender sind jedoch  Atemaussetzer (Apnoephasen) während des Schlafes. Während des Schlafes sinkt der Muskeltonus der Zunge und des Zungengrundes ab. Bei einer  Vergrößerung der Mandeln kommt es dann zur Verlegung der oberen Atemwege, wodurch die Luft-und Sauerstoffzufuhr vollständig unterbrochen wird. Dadurch sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut, was wiederum eine Weckreaktion im Gehirn zur Folge hat. Diese Weckreaktionen verhindern, dass der Patient in die für ihn erholsamen Tiefschlafphasen gelangt. Die Betroffenen leiden an Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Minderung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit.

Die Tonsillotomie beseitigt die Verlegung der oberen Atemwege!

Freie Atemwege

Im Gegensatz zur vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (= Tonsillektomie), werden bei der Tonsillotomie die Gaumenmandeln nur verkleinert. Es bleibt aber ein genügend funktionierendes Mandelgewebe erhalten. Diese „Kappung“ der Mandeln reicht aus, um eine freie Schluck- und Atemwegspassage herzustellen.

Welche Voraussetzungen für die Tonsillotomie müssen vorhanden sein?

Keine Entzündungen

Aus der klinischen Erfahrung heraus muss die Indikation zur Tonsillotomie kritisch gestellt werden. Es sollten möglichst wenige antibiotikumpflichtige Mandelentzündung vorausgegangen sein. Ein gehäuftes Auftreten von beschrieben Mandelabszessen nach der Tonsillotomie konnte bisher nicht regelmäßig nachgewiesen werden.

Wie wird der Eingriff durchgeführt?

Einsatz von Hochfrequenzsstrom

Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Für die Entfernung des überschüssigen Mandelgewebes verwende ich eine Coablationstechnik oder Hochfrequenzdiathermie, d.h. es wird ein hochfrequenter Strom über eine Sonde appliziert, die gleichzeitig blutstillend und schneidend wirkt. Zudem bietet dieses Verfahren die Möglichkeit einer sehr schonenden Wundheilung.

 

Vor der Operation

 

Stationär oder ambulant?
Obwohl dieser Eingriff auf eine ambulante Behandlung ausgerichtet ist, empfiehlt unsere Fachgesellschaft eine stationäre Überwachung der Tonsillotomiepatienten für 1-2 Nächte.

 

Nach der Operation

 

Mit welchen Beschwerden und Risiken bei Tonsillotomie ist nach der Operation zur rechnen?

 

Geringes Risiko – großer Nutzen

Im Vergleich zur Tonsillektomie konnten die jüngsten Studien zeigen, dass das Nachblutungsrisiko erheblich gesenkt wird (<1%). Damit ist diese Operation als sehr sicher einzustufen. Des Weiteren werden von den Patienten postoperativ deutlich weniger Schmerzen angegeben als nach einer Tonsillektomie.

In Einzelfallstudien wurde beschrieben, dass Patienten nach einer Tonsillotomie Abszesse im Bereich des noch verbliebenen Restgewebes aufgrund von Vernarbungen der Schnittfläche ausbilden können. In solchen Fällen müssten dann auch die Restmandeln komplett entfernt werden.

Falls Sie noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Dr. med. Oliver Reich

 

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