Wann sollten Gaumenmandeln (Tonsillen) entfernt werden?
Während in vergangenen Jahren häufiger zu Mandeloperationen geraten wurde, findet derzeit - gerade auch wegen des Nachblutungsrisikos – ein Gesinnungswandel statt
Die Tonsillektomie gehört zu den am häufigsten durchgeführten Operationen im Kindesalter. Obwohl die Mandeloperation technisch einfach durchzuführen ist, birgt sie jedoch ein hohes postoperatives Risiko einer Nachblutung. Neben einer kritischen Indikationsstellung zur Operation sollten auch prä- und postoperative Maßnahmen ergriffen werden, um die Blutungsgefahr zu senken.
Indikation zur Mandelentfernung bei Erwachsenen:Im Grunde bestehen die gleichen klinischen Beschwerden wie bei den Kindern. Allerdings liegt bei Erwachsenen im Falle einer Nachblutung ein geringeres Risiko des Verblutens vor, da sie über ein größeres Blutvolumen verfügen. Bei einer Untersuchung bei Erwachsenen nach Tonsillektomie wurde festgestellt, dass nach einer Mandelentfernung deutlich weniger Streptokokkeninfektionen auftraten. Auch litten die Patienten weniger an Halsschmerzen und Fieber als Patienten, bei denen keine Operation durchgeführt wurde. Darüberhinaus besteht eine relative Indikation zur Mandeloperation bei einer Mononukleose (Pfeiffer`sches Drüsenfieber), die viral bedingt ist, vor allem bei jungen Erwachsenen, da Untersuchungen gezeigt haben, dass die Viruslast deutlich gemindert und damit der Erkrankungsverlauf deutlich verkürzt werden kann.

Zusammenfassend bestehen folgende Indikationen, die eine Mandeloperation bei Kindern und Erwachsenen rechtfertigen:
- Mehr als 5 eitrige Mandelentzündungen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren
- Mehr als 7 Mandelentzündungen innerhalb eines Jahres
- Schwere Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens
- Gedeihstörungen
- Abszessbildung
- Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
- Bei Erwachsenen: Mononukleose (Pfeiffer`sches Drüsenfieber)
- Bei V.a. maligne Erkrankungen (z.B. Tonsillenkarzinom, Lymphomverdacht)
Das NachblutungsrisikoDas Nachblutungsrisiko nach Tonsillektomie ist nicht selten, vor allem in den ersten 24h, am 3. und 10. postoperativen Tag. Die später auftretenden Blutungen sind auf Ablösungen der Beläge in den Wundbetten zurückzuführen. In ca. 4% muß die Versorgung der Nachblutung im Operationssaal erfolgen. Gerade bei den später auftretenden Blutungen, meist zu Hause, muß eine zügige Versorgung durch ein Notfallzentrum gewährleistet sein.
Senkung des Nachblutungsrisikos:
Körperliche Schonung und angemessene Ernährung!Zum Ausschluß einer Blutgerinnungsstörungen, die das postoperative Nachblutungsrisiko erhöhen, dient ein detaillierter Gerinnungsfragebogen, der nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. erstellt wurde. Bei Auffälligkeiten sollte dann eine spezifische, erweiterte Diagnostik erfolgen.
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